Die SAP Sales & Service Cloud Version 1 läuft, Kundenbeziehungen werden gepflegt, Vertriebsprozesse laufen durch, Servicefälle werden bearbeitet. Warum also sollte man jetzt, ohne konkreten Handlungsdruck, über eine Transition nachdenken?
Wer in Vertrieb und Service perspektivisch auf KI setzen will – und das ist im Wettbewerb kein Luxus mehr, sondern zunehmend eine strategische Notwendigkeit –, der investiert diese Ressourcen besser nicht mehr in eine Plattform, die sich nicht mehr weiterentwickelt.
Zwei Produktgenerationen, zwei unterschiedliche Ansätze
Eines vorab: Die SAP Sales & Service Cloud V2 ist kein Upgrade der V1. Sie ist ein eigenständiges Produkt, das SAP von Grund auf neu entwickelt hat.
Der wesentliche Unterschied liegt im Umgang mit individuellen Anforderungen. In der V1 lassen sich Prozesse direkt innerhalb der Lösung anpassen – durch Konfiguration, aber auch durch kundenseitige Entwicklungen, die tief im System verankert sind. Das ist im Mittelstand über die Jahre intensiv genutzt worden: ob kundenspezifische Preisfindungslogiken mit unterschiedlichen Konditionen für verschiedene Abnehmergruppen, individuelle Eskalations- und Reklamationsprozesse im Service oder die Abbildung mehrstufiger Vertriebsstrukturen mit Außendienst, Innendienst und Key Account.
Die V2 folgt dem Clean-Core-Prinzip: Der Systemkern bleibt standardnah und damit dauerhaft update-fähig. Individuelle Anforderungen werden nicht mehr innerhalb des CRM-Systems entwickelt, sondern über separat entwickelte Erweiterungen auf der SAP Business Technology Platform (BTP) oder mit SAP Build – technisch klar vom Kern getrennt. Das ist keine Einschränkung, sondern technische Notwendigkeit: Eine saubere Daten- und Prozessstruktur ist die Grundlage dafür, dass KI-Funktionen im System verlässlich und effizient eingesetzt werden können. Das hat zugleich einen entscheidenden praktischen Vorteil: Wenn SAP die V2 weiterentwickelt, bleiben diese Erweiterungen unberührt. Updates laufen durch, ohne dass jede Anpassung einzeln geprüft und nachgezogen werden muss.
KI: Der eigentliche Treiber der Entscheidung
Was die Transition für viele Unternehmen strategisch drängend macht, ist nicht das Ende der V1 – die bleibt vorerst produktiv nutzbar. Es ist die Entwicklungsrichtung: SAP baut die V2 laufend mit neuen Funktionen aus, während die V1 keine nennenswerten Neuerungen mehr erhält. Wer auf V1 bleibt, arbeitet in einem System, das zwar stabil läuft, aber zunehmend hinter den Möglichkeiten der V2 zurückbleibt.
Diese Lücke betrifft verschiedene Bereiche. Die Benutzeroberfläche der V2 wurde von Grund auf neu entwickelt und ist konsequent auf mobile Nutzung ausgelegt – Außendienstmitarbeitende können Kundenbesuche, Opportunities und Servicefälle direkt auf dem Smartphone bearbeiten, ohne auf eine separate App oder eingeschränkte Ansichten angewiesen zu sein. Die integrierte Analytik bringt Verkaufsprognosen, Pipeline-Auswertungen und Serviceberichte direkt in das System, ohne Datenexporte in separate Tools. Und die Integrationsarchitektur in Richtung SAP S/4HANA und externer Systeme wurde auf Basis moderner APIs neu aufgebaut – mit spürbaren Vorteilen für Datenkonsistenz und langfristigen Wartungsaufwand.
Am sichtbarsten ist die Entwicklungsdynamik der V2 derzeit beim Thema Künstliche Intelligenz. Die V1 verfügt über ein ergänzendes KI-Add-on, dessen Funktionsumfang nicht mehr weiterentwickelt wird. In der V2 baut SAP die eingebetteten KI-Funktionen dagegen laufend und konsequent aus: Account- und Opportunity-Zusammenfassungen, KI-gestützte Lead-Bearbeitung, automatisierte E-Mail-Erstellung, intelligente Handlungsempfehlungen für den Vertrieb und Joule als integrierter KI-Assistent, der diese Funktionen zusammenführt.
Für mittelständische Unternehmen im B2B-Geschäft ist das keine abstrakte Roadmap-Ankündigung. Vertriebsmitarbeitende betreuen oft Dutzende von Kunden gleichzeitig. KI-gestützte Zusammenfassungen, die vor einem Kundentermin automatisch die relevantesten Entwicklungen eines Accounts aufbereiten, können konkret Zeit und Fehler sparen – ohne dass man sich erst durch CRM-Notizen, E-Mails und Gesprächsprotokolle arbeiten muss. In Vertriebsprozessen mit langen Entscheidungszyklen können intelligente Handlungsempfehlungen helfen, den richtigen Moment für eine Kontaktaufnahme zu erkennen oder frühzeitig auf Risiken in einer Opportunity hinzuweisen.
Die Transition: Ein eigenes Projekt, keine technische Übung
Weil die V2 ein eigenständiges Produkt ist, entsteht für die Transition erneut Implementierungsaufwand. Das ist kein Grund zur Sorge, wenn man strukturiert vorgeht.
Die in der V1 abgebildeten Prozesse müssen fachlich bewertet und in der V2 neu umgesetzt werden. Dabei sind drei Fälle zu unterscheiden:
Standardprozesse – also Vertriebs- und Serviceprozesse, die der V2-Standard bereits abdeckt – werden im neuen System konfiguriert. Das ist in der Regel der größte Teil.
Individuell angepasste Prozesse werden entweder auf einen geeigneten Standardprozess überführt oder über Erweiterungen neu realisiert. Hier liegt erfahrungsgemäß die größte Bandbreite: Manche V1-Anpassungen spiegeln echte Geschäftsanforderungen wider, andere sind historisch gewachsen und heute nicht mehr nötig.
Bestehende Integrationen und Sonderanforderungen – etwa die Anbindung an ERP-Systeme wie SAP S/4HANA und SAP Business One oder an externe Systeme – werden separat betrachtet und müssen in der V2-Architektur neu definiert werden.
Für die Datenmigration stellt SAP Werkzeuge bereit, aber eine vollständige 1:1-Migration ist nicht für alle Objekte möglich. Gerade bei transaktionalen Daten wie Leads und Opportunities ist im Rahmen der Bestandsaufnahme zu klären, was sich automatisiert übernehmen lässt und wo eine alternative Strategie erforderlich ist.
Für Unternehmen, die V1 bereits in mehreren Ländern einsetzen und weitere Rollouts planen, empfiehlt es sich, diese direkt auf der V2 zu starten – die dort definierten Prozesse bilden dann den globalen Blueprint und vermeiden doppelten Implementierungsaufwand.
PART begleitet Sie auf beiden Seiten
PART Business Solution ist seit über 30 Jahren auf die Prozessindustrie spezialisiert und begleitet mittelständische Unternehmen aus Lebensmittel, Chemie und Kosmetik bei SAP-Projekten. Wir betreuen Bestandskunden auf beiden Produktgenerationen und verfügen über Projekterfahrung in beiden Welten. Wer heute neu einführt, startet direkt auf der V2.
Für eine strukturierte Transition empfehlen wir folgendes Vorgehen:
- Bestandsaufnahme der V1-Landschaft – Welche Prozesse sind konfiguriert, welche sind individuell angepasst? Wo liegt kritisches Customizing? Was davon brauchen Sie wirklich?
- Definition des globalen V2-Blueprints – Festlegung der künftig einheitlichen Vertriebs- und Serviceprozesse, angepasst an die Anforderungen Ihres Unternehmens.
- V2-Piloteinführung in einer Niederlassung – Praxistest unter realen Bedingungen, mit dem Ziel, den Blueprint zu validieren.
- Validierung und Optimierung – Datenmigration, Integrationen und Erweiterungen im produktiven Einsatz überprüfen und anpassen.
- Schrittweise Transition der Bestandsgesellschaften – kontrollierte Überführung auf Basis des validierten Blueprints.
Wenn Sie wissen möchten, wo Sie heute stehen und was eine Transition für Ihr Unternehmen konkret bedeuten würde, sprechen Sie uns an. Wir machen gemeinsam mit Ihnen eine erste Einschätzung Ihrer V1-Landschaft. → Unverbindliches Gespräch vereinbaren
Häufige Fragen zur Transition auf die SAP Sales & Service Cloud V2
Ist die SAP Sales & Service Cloud V2 ein Upgrade der V1?
Nein. Die V2 ist ein eigenständiges Produkt, das SAP von Grund auf neu entwickelt hat. Eine technische Migration ist nicht möglich – die Transition erfordert ein neues Implementierungsprojekt, in dem die bestehenden Prozesse fachlich bewertet und in der V2 neu aufgebaut werden.
Was passiert mit meinen individuellen Anpassungen (Customizing) aus der V1?
V1-Customizing kann nicht direkt übernommen werden. Im Rahmen der Transition wird für jede Anpassung bewertet, ob sie als Standardprozess in der V2 abgebildet werden kann, ob sie als Erweiterung auf der SAP BTP neu entwickelt werden muss – oder ob sie heute schlicht nicht mehr gebraucht wird.
Können meine Vertriebsdaten (Leads, Opportunities) in die V2 übernommen werden?
SAP stellt Werkzeuge für die Datenmigration bereit, eine vollständige 1:1-Übernahme ist jedoch nicht für alle Objekte möglich. Gerade bei transaktionalen Daten wie Leads und Opportunities muss im Projekt geklärt werden, was sich automatisiert übernehmen lässt und wo eine alternative Strategie sinnvoller ist.
Bis wann muss ich von V1 auf V2 wechseln?
SAP hat noch kein offizielles End-of-Support-Datum für die V1 kommuniziert. Der strategische Handlungsdruck entsteht weniger durch ein fixes Datum als durch die Entwicklungsrichtung: KI-Funktionen werden ausschließlich in der V2 weiterentwickelt – wer diese nutzen will, muss auf der V2 sein.
Was ist das Clean-Core-Prinzip?
Clean Core bedeutet, dass der Systemkern der V2 standardnah und damit dauerhaft update-fähig bleibt. Individuelle Anforderungen werden nicht im CRM-Kern entwickelt, sondern als separate Erweiterungen auf der SAP BTP oder mit SAP Build – technisch klar entkoppelt. Das sorgt dafür, dass SAP-Updates eingespielt werden können, ohne dass jede Anpassung einzeln geprüft und nachgezogen werden muss.
Welche KI-Funktionen bietet die SAP Sales & Service Cloud V2?
Die V2 enthält eingebettete KI-Funktionen wie automatische Account- und Opportunity-Zusammenfassungen, KI-gestützte Lead-Bearbeitung, automatisierte E-Mail-Erstellung, intelligente Handlungsempfehlungen im Vertrieb und den KI-Assistenten Joule, der diese Funktionen bündelt. Der Funktionsumfang wird laufend ausgebaut.
Wir setzen V1 aktuell nur in Deutschland ein – macht ein direkter V2-Start in anderen Ländern Sinn?
Ja. Wenn weitere Niederlassungen noch ausstehen, empfiehlt es sich, diese direkt auf der V2 einzuführen. Die dort aufgebauten Prozesse bilden den globalen Blueprint, der anschließend auch die bestehende V1-Installation ablösen kann – so entsteht kein doppelter Implementierungsaufwand.
